Putzmunter

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Ein Gastbeitrag von Sylvia Oehninger, Winterthur

Ein Buch über das Putzen? Was soll das? Gibt es nicht schon genug Ratgeberbücher? Dieses ist anders: Die finnische Kulturwissenschaftlerin Maria Antas erforscht in „Wisch und weg“ das Putzen in Theorie und Praxis vom Wischmob bis zur Federwedel. Es geht um Fragen wie: Soll ich eine Putzfrau anstellen? Wann ist es wirklich sauber? Soll ich auf Knien putzen? Soll ich putzen oder schreiben? Putzmunter weiterlesen

Nach Hause fliegen oder die Poesie des Kreuzworträtsels

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von Sylvia Oehninger, Winterthur

Ein Künstler sammelt und fotografiert Schwemmgut an einer Mittelmeerküste. Daraus soll ein Projekt entstehen. Doch, was spielerisch klingt, wird tödlicher Ernst. Er findet immer öfter Habseligkeiten von Flüchtlingen am Strand, bis er eines Tages auf eine Kinderleiche stösst – das der Prolog.

Der Tod seiner älteren Schwester führt ihn zurück in sein Herkunftsland, in den norddeutschen Winter, mitten in seine Familiengeschichte, in ein altes Haus in einem tristen Hamburger Quartier.

Lappert ist ein Meister der Schilderung prekärer Milieus. Doch vor dem Hintergrund bröckelnder Fassaden glimmt das Licht in der Wohnung seines Vaters umso behaglicher. Dorthin ist er vorübergehend eingezogen und merkt, wie wohl er sich fühlt, wenn er dem fast blinden, gehbehinderten alten Mann am Küchentisch beim Ausfüllen seiner Kreuzworträtsel hilft, sekundiert von der polnischen Hauspflegerin.

Eine der zentralen Fragen des Romans ist die nach der Bedeutung der Kunst, angesichts der Flüchtlingskatastrophe in Europa, eine weitere nach Herkunft und Familie. Schön gezeichnet ist etwa die jüngere Schwester der Hauptfigur, die immer noch ihrer Hippie-Vergangenheit nachhängt und sich liebevoll um den heimgekehrten Bruder kümmert.

Schmiermittel des Romans sind grosse Mengen Alkohol, die die Protagonisten zu sich nehmen. So werden verhockte Gefühle allmählich verflüssigt.

Lappert schildert präzis, hantiert gekonnt mit Symbolen und ist ein kluger Psychologe. Nachdem er eine Weile gemächlich erzählt hat, verknüpft er die losen Erzählfäden am Schluss in hohem Tempo wieder zu einem Ganzen.

Rolf Lappert wurde 1958 in Zürich geboren und lebt in der Schweiz. Er wurde mit seinem Roman „Nach Hause schwimmen“ bekannt. Mit dem vorliegenden Roman „Über den Winter“ hat er es die Short List des Deutschen Buchpreises 2015 geschafft.

Rolf Lappert: Über den Winter; Carl Hanser Verlag, München 2015

Leseprobe: http://bit.ly/1SteEtC

Im Dickicht der Leidenschaft

Gastbeitrag von Sylvia Oehninger, Winterthur

Euphoria by Lily King cover

Die Amerkikanerin Lily King entführt uns mit ihrem Roman „Euphoria“ nach Neuguinea. Dort untersuchen in den 30er Jahren drei junge Forscher, ein Ehepaar und ein einzelner Mann, Stämme von Eingeborenen am Fluss Sepik.

Für die Frau „Nell“ dient die berühmte Ethnologin Margarete Mead als Vorbild, ansonsten ist die Geschichte Fiktion.

Das Werk, packend geschrieben, kann einfach als Abenteuergeschichte gelesen werden. Wer in tiefere Schichten vordringt, findet sich mitten in heute noch akutellen Auseinandersetzungen:

Da ist einmal das Gender-Thema: Nell und ihr Ehemann brechen zu einem gemeinsamen Forschungsprojekt auf. Die Abmachung lautet: Sie erforscht das Leben der Frauen und Kinder, er bearbeitet die Männerbereiche, zu denen Frauen keinen Zutritt haben. Gemeinsam will das Paar die Ergebnisse zusammengetragen und publizieren. Im Dickicht der Leidenschaft weiterlesen

Lülü – der Merlin-Versteher

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Ein Schelmenroman

Welcher Teufel den Publizisten Willi Wottreng geritten hat, dass er für sein Romandébut „Lülü“  ausgerechnet das Tösstal als Tatort wählt, wissen mangels Geiern vielleicht die Auerhähne oder Gämsen, die sich da hinten  zwischen Tössstock und Schauenberg gute Nacht sagen. Aber lustige Geschichten gibt es auch in der Provinz. Und die ist irgendwo um die Ecke zwischen Turbenthal, Kollbrunn und Rikon.

Dass die Tösstaler zuweilen schlimme Finger sind und die eine oder andere Leiche im Keller haben, hat jüngst das  Autorenduo Roswitha und Jacques Kuhn – er der einstige Chef der Pfanni in Rikon – in seinen Regiokrimis schonungslos enthüllt. Doch wer vom Sachbuchautor und Wottreng einen solchen Regionalthriller erwartet hat, liegt falsch. Zwar hat das Tal als Bio- und Soziotop unwiderstehlichen Thrill-Appeal. Täuferhöhlen, dunkle Wälder, moderige Gewässer und schattige Hügel, Stündeler, Prediger, Weber, Spinner, Baulöwen und Dörfler, die sich schon über Thurgauer xenophob echauffieren können. Das Chelleland ist auch eine Geisterbahn. Aber das Setting des Romans geht über Lokalkolorit hinaus. Lülü – der Merlin-Versteher weiterlesen

Verschleierte Mannsbilder

Susan Schoch Reise Mixed Media Tüll und STickerei Mixed Media

Zwischen Nil und Töss

Die in der Galerie am Eulachpark gezeigten Arbeiten unter dem Titel „Zwischen Nil und Töss“ spiegeln einerseits die Auseinandersetzung der Künstlerin Susan Schoch mit Eindrücken, die sie auf verschiedenen Reisen nach Ägypten gesammelt hat, andererseits sind die Werke Ausdruck eines zähen Ringens um die Frage nach der kulturellen Zugehörigkeit und nach der eigenen Identität. Eine humorvolle und kluge Abrechnung mit Mannsbildern. Am Freitag 13. März war Vernissage.

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Voller Spieltrieb voraus

Andreas Greiner und Armin Keplinger, Loop Andreas Greiner und Armin Keplinger, Detonationskörper André Bless, Drip André Bless, Drip Jürgen Baumann, Auspizium Rando Moricca, Demon-Cleaner Rando Moricca, Plotti

Begriffsschärfe? Wozu auch – Die Ausstellung unter dem Titel Measuring the Floor – cutting of(f) the surplus präsentiert vier zeitgenössische Positionen so genannter kinetischer Kunst. Voller Spieltrieb voraus weiterlesen

Kunst kommt von Geschichte

Tauschwestern Rosina Kuhn Pavel Schmidt Pavel Schmidt Michael Wyss Martin Schwarz Ludwig Stocker Ludwig Stocker

Zu viele Ausstellungen zelebrieren heute irgendein Genie oder eine „Position“. Und zu wenige öffnen die Augen für grössere Zusammenhänge. Die Ausstellung unter dem Titel „Vom Nutzen und Nachtheil der Kunstgeschichte für die Kunst“ in den Kunsträumen Oxyd in will uns ebendiese Zusammenhänge als „Unzeitgemässe Betrachtungen“ vermitteln. Die Schau hat auch einen kritischen Anspruch – Beschäftigung mit der Geschichte könnte der heutigen Schnelllebigkeit, Innovationssüchtigkeit und oberflächlich-kommerzialisierten Kunstbetrachtung entgegenwirken. Historisierende Kunst als Weg zum Heil für eine verrottende, kapitalistische Gesellschaft. Ästhetik als Kapitalismuskritik und moralische Erleuchtung. Kunst kommt von Geschichte weiterlesen

Die grosse Regionale

Karin Birkenmeier Lydia Willhelm Lydia Willhelm Esther Mathis Hallen-Abteil Kunstwerke von Matthis und Birkenmeier Die Grosse Regionale im Kunst(zeug)haus Sandra Kühne Karin Kurzmeyer Karin Birkenmeier 7 Crosspoint Bianco Graf Jürg Matthys

„Die Grosse Regionale in Rapperswil“, Kunstzeughaus
Die neue Lust auf Provinz
Tot oder teuer muss einer sein, sonst gilt er oder sie in der Kunst als „provinziell“. Dass quicklebendige Kunstschaffende ohne mega-metropolitane Atelierstandorte (und entsprechende Preise) einen so richtig begeistern können, das zeigt zum einen die aktuelle Dezemberausstellung im Kunstmuseum Winterthur, sowie die „Grosse Regionale“ im Kunst(Zeug)haus in Rapperswil. Clever hier vom Kurator Lorenz Wiederkehr um die Stadt Zürich und Winterthur erweiterte Regionalbegriff. So konnte einer aus dem Vollen schöpfen– und die Besten der Besten aus Samstagern, Weesen, Rapperswil, oder Wildberg ZH den Zürchern, Luzernern oder Baslern oder den Berlinern mit Schweizer Wurzeln entgegenstellen. Ist eine Regionale keine Pflichtübung wie so häufig in vielen Museen (aber immer seltener!), wird sie zu einem Schauplatz für Kreativität abseits ausgetretener Hypes. Viel Risikobereitschaft ist zu sehen, selbst von einer 89-jährigen Teilnehmerin! Die grosse Regionale weiterlesen