Archiv der Kategorie: Allgemein

Allgemein

Abgetaucht

abwesenheitsnotiz

Ein Gastbeitrag von Sylvia Oehninger

Eine junge Frau kündigt ihren Job, weil sie endlich etwas tun möchte, was sie wirklich will. Das ist gar nicht so einfach. Doch die Autorin Lisa Owens macht im Roman „Abwesenheitsnotiz“ aus dem Leben der jungen Claire Flannery eine spannende Geschichte.
Sie nimmt uns mit auf eine langsame, ereignisarme, an Umwegen reiche Reise. Wir lernen die Tage der Protagonistin kennen, die Wettbewerbe ausfüllt, Bücher über Karriere liest, fern sieht, aus dem Fenster schaut und die Menschen in der U-Bahn und auf der Strasse versunken betrachtet.
Je länger der Zustand andauert, desto weniger weiss sie, was sie tun soll und desto eher rechtfertigt sie sich vor ihren aktiven, erfolgreichen Freundinnen, dass sie immer noch keinen neuen Job hat.
Kommt dazu, dass sie sich mit ihrer Mutter zerstritten hat, die sich nicht mehr meldet und ihre Grossmutter reagiert auf das Angebot Claires, ihr zu „helfen“ mit hochgezogenen Augenbrauen.
Die hilflosen Vermittlungsversuche des Vaters, Clairs Alkoholabstürze, die Haushaltzanks mit ihrem Freund Luke sind jedoch so plastisch und oft auch lustig erzählt, dass wir Claire allmählich lieb gewinnen. Und wir hoffen mit ihr, dass sie, wenn sie „nur genug Selbstoptimierungspodcasts und Erfahrungsberichte von Finanzhaien reinzieht, die jetzt Kunsthandwerk am Küchentisch betreiben, dann muss sich doch die Lösung von selbst offenbaren, irgendwo und irgendwann?“

Lisa Owens, Abwesenheitsnotiz, Piper Verlag 2016

Putzmunter

putzen

Ein Gastbeitrag von Sylvia Oehninger, Winterthur

Ein Buch über das Putzen? Was soll das? Gibt es nicht schon genug Ratgeberbücher? Dieses ist anders: Die finnische Kulturwissenschaftlerin Maria Antas erforscht in „Wisch und weg“ das Putzen in Theorie und Praxis vom Wischmob bis zur Federwedel. Es geht um Fragen wie: Soll ich eine Putzfrau anstellen? Wann ist es wirklich sauber? Soll ich auf Knien putzen? Soll ich putzen oder schreiben? Putzmunter weiterlesen

Lülü – der Merlin-Versteher

lulu

Ein Schelmenroman

Welcher Teufel den Publizisten Willi Wottreng geritten hat, dass er für sein Romandébut „Lülü“  ausgerechnet das Tösstal als Tatort wählt, wissen mangels Geiern vielleicht die Auerhähne oder Gämsen, die sich da hinten  zwischen Tössstock und Schauenberg gute Nacht sagen. Aber lustige Geschichten gibt es auch in der Provinz. Und die ist irgendwo um die Ecke zwischen Turbenthal, Kollbrunn und Rikon.

Dass die Tösstaler zuweilen schlimme Finger sind und die eine oder andere Leiche im Keller haben, hat jüngst das  Autorenduo Roswitha und Jacques Kuhn – er der einstige Chef der Pfanni in Rikon – in seinen Regiokrimis schonungslos enthüllt. Doch wer vom Sachbuchautor und Wottreng einen solchen Regionalthriller erwartet hat, liegt falsch. Zwar hat das Tal als Bio- und Soziotop unwiderstehlichen Thrill-Appeal. Täuferhöhlen, dunkle Wälder, moderige Gewässer und schattige Hügel, Stündeler, Prediger, Weber, Spinner, Baulöwen und Dörfler, die sich schon über Thurgauer xenophob echauffieren können. Das Chelleland ist auch eine Geisterbahn. Aber das Setting des Romans geht über Lokalkolorit hinaus. Lülü – der Merlin-Versteher weiterlesen

Verschleierte Mannsbilder

Susan Schoch Reise Mixed Media Tüll und STickerei Mixed Media

Zwischen Nil und Töss

Die in der Galerie am Eulachpark gezeigten Arbeiten unter dem Titel „Zwischen Nil und Töss“ spiegeln einerseits die Auseinandersetzung der Künstlerin Susan Schoch mit Eindrücken, die sie auf verschiedenen Reisen nach Ägypten gesammelt hat, andererseits sind die Werke Ausdruck eines zähen Ringens um die Frage nach der kulturellen Zugehörigkeit und nach der eigenen Identität. Eine humorvolle und kluge Abrechnung mit Mannsbildern. Am Freitag 13. März war Vernissage.

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