Putzmunter

putzen

Ein Gastbeitrag von Sylvia Oehninger, Winterthur

Ein Buch über das Putzen? Was soll das? Gibt es nicht schon genug Ratgeberbücher? Dieses ist anders: Die finnische Kulturwissenschaftlerin Maria Antas erforscht in „Wisch und weg“ das Putzen in Theorie und Praxis vom Wischmob bis zur Federwedel. Es geht um Fragen wie: Soll ich eine Putzfrau anstellen? Wann ist es wirklich sauber? Soll ich auf Knien putzen? Soll ich putzen oder schreiben?

Aufgeteilt in 28 Putztage erzählt die Autorin, deren Mutter eine Putzfrau war, mit Humor und Herzlichkeit über ihr Forschungsgebiet. Dabei erfährt man ganz nebenbei Spannendes über Finnlands Alltagsgeschichte, etwa, dass die Finnen früher ihre Teppiche einmal im Jahr im Meer spülten, dass sie dazu kleine Stege ins Wasser bauten, die heute liebvoll restauriert werden. Dass dabei ein regelrechtes Volksfest gefeiert wurde, versteht sich von selbst, ebenso, dass heute noch viele Finnen der Überzeugung sind, dass ein Teppich, und sei es bloss die Fussmatte des Autos, erst richtig sauber ist, wenn er im Meer gebadet wurde.

Die Frage, ‚Wer putzt?‘, die man aus jeder WG kennt, kann manchmal auch sehr ernste Fragen aufwerfen. Darüber wird in dem Buch nicht weggewischt, etwa wenn es um das Putzen nach einem Todesfall geht.

Selbstverständlich wird auch der Geschlechterkampf nicht ausgespart. So gibt es, wer hätte das gedacht, kaum Forschung von Männern über das Putzen, wohl aber Forschung über den Müll.

Das Büchlein ist in bester Insel-Verlags-Manier sehr schön gestaltet und solide gebunden. Die Illustrationen von Antas Freundin Kat Menschik geben dem Ganzen Leichtigkeit und Charme.

Erfrischend auch, wie die Autorin über Generationen hinweg erzählt, wie ihre Mutter in Schulhäusern geputzt, und ihre Tochter in der Schule einen Putzlappen gehäkelt hat.

„Wisch und weg“ ist mein Lieblingsbuch 2015 und ich habe in meinem Freundeskreis immer wieder davon erzählt und manche hochgezogenen Augenbrauen bewirkt, was jedoch jedes Mal in eine lebhafte Diskussion mündete. Bald wurden Putztipps ausgetauscht, Schwämme erörtert und Putzmittel gelobt.

Maria Antas: Wisch und weg, Ein Buch über das Putzen, mit Illustrationen von Kat Menschik, Insel Verlag, Berlin 2015, aus dem  Finnlandschwedischen übersetzt von Ursel Allenstein; Originalausgabe Helsiniki 2013

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