Tatort Tösstal

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Drei tote Hasen, drei Tote und eine alte Freundschaft, die stirbt: Das ist die Bilanz des jüngst erschienenen Tösstal-Krimis „Hasensterben“ aus der Feder des Autorenduos KuhnKuhn aus Rikon. Hinter der ungewöhnlichen Signatur – nebenbei bemerkt – verbergen sich Jacques Kuhn, einst Direktor der Pfanni in Rikon und Gründer des klösterlichen Tibet-Instituts sowie Roswitha Kuhn, seine Frau. Das Team KuhnKuhn hat vor zwei Jahren mit „Nachsuche“ sein Début publiziert. Er mit immerhin 93 Jahren.

Aber Schluss mit Nebenbemerkungen: Der Tod der Hasen ist rasch erzählt. Einer wird von einem Winterthurer auf einer Jagdpartie geschossen, was dem Wildhüter Hans Hablützel aus Turbenthal unsäglich an die Nieren geht. Und die andern beiden Hasen werden ausgerechnet vom bayerischen Schweisshund desselben Wildhüters gerissen. Der Hund hatte leichtes Spiel, fand er die Hasen doch bei Pauli Oberholzer in einem Gehege im Garten. Der Jagdinstinkt geht mit ihm durch – ein Sprung über den Zaun, ein Biss und tot sind die armen Tiere.

Wie Pauli Oberholzer an die Hasen kam und wer er ist – das ist der Angelpunkt der Geschichte. Die Hasen, zwei blaue Wiener übrigens, gehörten dem zehnjährigen Buben Lewi Rindlisbacher, dessen Leiche die Polizei in der Nähe des Bahnhofs Rikon aus der Töss fischt. Die Polizei, das ist auch Arnold „Noldi“ Oberholzer, Vater von Pauli. Er vertritt im Tösstal und im Neubrunner Tal Recht und Ordnung und löst im Krimi „Hasensterben“ bereits seinen zweiten Fall. Ein Unfall, vermuten nun die Polizisten am Fundort der Kinderleiche, die Wasserwalzen der Töss fordern immer wieder Todesopfer. Mord! Kontert der pfiffige Pauli, 13 Jahre alt, der weiss, dass sein Gspändli aus demselben wasserscheu war wie eine Katze und einen grossen Bogen um jegliches Gewässer machte.

Kurz darauf wird die Leiche der 13-jährigen Nadine Zimmermann in der Kühltruhe der alten Metzgerei in Dussnang gefunden. Und hat der Tod von Koni Ambühl, Mädchenschwarm und Bademeister der beliebten Badi Bichelsee bei Seelmatten etwas mit ihrem oder dem Tod von Lewi Rindlisbacher zu tun?

Pauli und sein Vater sind ein unschlagbares Ermittlerduo. Wobei Vater Oberholzer, ein Familienmensch und hingebungsvoller Ehemann und Grossvater, über das Engagement seines Jüngsten nicht gerade glücklich ist. Paulis scharfer Beobachtungsgabe ist es zu verdanken, dass der Mörder des kleinen Lewi gestellt werden kann. Das macht der 13-jährige gleich selber, in Begleitung desselben Hundes, der auch seine Hasen totbeisst. Der Hund ist nämlich sein bester Freund –Wildhüter Hablützel ist ja auch sein Onkel. Vater Oberholzer seinerseits muss erkennen, dass er sich in seinem Freund und Polizisten Notter getäuscht hat – und er gerät dadurch in tödliche Gefahr. Auf dem schönen Schnurrberg kommt es zum dramatischen Finale – zwei Schüsse fallen und eine alte Freundschaft stirbt. Der ganze Schauplatz übrigens hier:

Witzig bis bissig: KuhnKuhn gelingt es, die Eigentümlichkeiten der Tösstaler anschaulich zu skizzieren. Idylle übrigens, sieht anders aus: Während Oberholzers Alltag daraus besteht, mit Bratpfannen ausgetragene Ehekonflikte zu schlichten (für Nicht-Tösstaler: Bratpfannen von Kuhn Rikon halten meist länger als ein Bund fürs Leben) verbergen sich hinter der Fassade von intakten Familien oft Abgründe. Alkoholismus Pädophilie, Kindsmisshandlung und –Vernachlässigung, Untreue sowie religiöser Fanatismus. Auch angehörige der tibetischen Gemeinde kriegen ihr Fett weg, da ist längst nicht alles so heilig wie es der Schein suggeriert, der vom klösterlichen Institut in Rikon ausgeht. Die Beziehungen zwischen den Opfern, Hinterbliebenen und Verdächtigen schütteln die Autoren immer wieder durcheinander wie ein buntes Kaleidoskop. Vater Oberholzer lassen sie in diesen verflochtenen Beziehungen und den Spekulationen, die sich daraus ergeben, so richtig schmoren. Ein spannendes „Whodunnit“, das durch die präzise Beschreibung der zauberhaften Landschaft zwischen Töss, Rüetschberg, Bichelsee und dem angrenzenden Thurgau besticht. Das Tösstal als Tatort lässt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite nicht mehr los. Das sind 100 Prozent Hühnerhautfaktor.

KuhnKuhn: Hasensterben. Ein Tösstalkrimi. Gmeiner-Verlag, Februar 2015. 437 S.

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