Verschleierte Mannsbilder

Susan Schoch Reise Mixed Media Tüll und STickerei Mixed Media

Zwischen Nil und Töss

Die in der Galerie am Eulachpark gezeigten Arbeiten unter dem Titel „Zwischen Nil und Töss“ spiegeln einerseits die Auseinandersetzung der Künstlerin Susan Schoch mit Eindrücken, die sie auf verschiedenen Reisen nach Ägypten gesammelt hat, andererseits sind die Werke Ausdruck eines zähen Ringens um die Frage nach der kulturellen Zugehörigkeit und nach der eigenen Identität. Eine humorvolle und kluge Abrechnung mit Mannsbildern. Am Freitag 13. März war Vernissage.

Susan Schoch tauchte und taucht auf ihren Reisen immer tief in die Kulturen ein und versucht zu ergründen, wie sie das Leben der Menschen dort beeinflussen. Entsprang die Sehnsucht nach der Ferne anfänglich einer Sehnsucht nach anderen als den überreglementierten Lebensformen in der Schweiz, wurde das Reisen zunehmend zu einer Überprüfung der eigenen Wertvorstellungen. In Ägypten hat der Nil sie mit seinen gewaltigen geografischen Dimensionen in seinen Bann gezogen. Gleichzeitig hat sie Kontakte zu Menschen in Kairo aufgebaut. Befremdet hat sie insbesondere die Stellung der Frau in dieser Gesellschaft. Das „Verschwindenlassen“ von Frauen hinter Schleiern hat sie herausgefordert. So hat sie begonnen, mit Textilien zu arbeiten und zu untersuchen, was die Verschleierung mit Männern anrichtet. Bestickt und über Fotografien arrangiert, dreht die Künstlerin nicht den Spiess, aber doch den Schleier um. Auch der Nil wird im Medium „Schleier“ thematisiert. Sie macht den Strom, dessen Dimension sich vom Ufer aus mit dem Auge nicht mehr ermessen lässt, als ästhetisch verfremdetes Gebilde mit Schleiern wieder sichtbar.

Die Töss ist ein Wahrzeichen von Winterthur. Ein Jahr lang hat sich die Künstlerin im Rahmen einer Ausstellungsvorbereitung am Ufer des Flusses aufgehalten und Ausschnitte fotografiert. Nicht an einem zufälligen Ort, sondern dort, wo sie auch lebt, in Wülflingen. Diese Arbeiten hat sie in zahlreiche kleinformatige Übermalungen von Prints umgesetzt. Begann das Projekt mit der Aufgabenstellung, die kulturelle Vielfalt Wülflingens im Rahmen des Jubiläums 750 Jahre Stadtrecht Winterthur zu visualisieren, geriet die Fokussierung auf das heimische Gewässer zur Selbstbefragung. Die Antwort darauf wird hier in der Ausstellung ganz klar formuliert: Susan Schoch hat nach weiten Reisen ihren Ort gefunden. Heute kann sie sagen: Ich bin von hier.

Fotografie, Malerei, Textilien, Stickerei, Installation – sowie frühere Guss-Arbeiten in Neusilber repräsentieren die Vielfalt der Medien, in denen die Künstlerin ihre Auseinandersetzungen mit ihrem Umfeld visualisiert. Zwar hat sie nach langem Ringen Winterthur als ihren Lebensmittelpunkt angenommen. Die sich ständig erneuernde Palette der Ausdrucksformen zeigt aber, dass die künstlerische Reise zu immer neuen Ufern längst nicht beendet ist.

Zwischen Nil und Töss. Neue Werke von Susan Schoch. März – 29. März 2015

 

Galerie am Eulachpark Andreas Wolfensberger, Ida Sträulistrasse 73. MGH Giesserei. 8404 Winterthur, +41 79 221 99 81

www.susanschoch.ch

Hier ganze Laudatio.

Programm mit Lesungen von Ruth Loosli, Amir Attoun usw. hier.

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