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Ausstellung

Vermessen – Kunst und die Ordnung der Welt

Vermessen und erfahren

In der Galerie knoerle& baettig contemporary in Winterthur  zeigen die beiden Winterthurer Künstler Fant Wenger und Mia Diener unter dem Titel „vermessen“ neue  Arbeiten. Eine Videoinstallation von collectif-fact aus Genf passt wunderbar dazu. 

Fant Wenger und Mia Diener sind forschende Seelen, denn sie erkunden die Welt der Dinge mit Intellekt und Intuition. Was sie verbindet, ist die Auseinandersetzung mit der Art und Weise, wie und mit welchen Mitteln oder mit welchen Folgen die Welt vermessen und gedeutet oder angeeignet wird.

Spannungsfeld und Bewegung
Fant Wenger bewegt sich mit seinen Arbeiten im Spannungsfeld von Natur und Kultur. Ein Spannungsfeld entsteht, wenn gegensätzliche Kräfte aufeinander einwirken. Beispielsweise wenn elektrisch geladene Teilchen von einem Minus-Pol zu einem Plus-Pol wandern. Hier entsteht Bewegung, die wahrnehmbar ist, konkret als Strom oder im übertragenen Sinn als Denkanstoss. Sein Gemälde mit den Kranmaschinen, die von der Natur überwuchert werden, thematisieren dieses Spannungsfeld, die Technik greift die Natur an, schafft vermeintlich Ordnung. Die Natur wiederum vernichtet die Technik. Wenger arbeitet wieder vermehrt mit Farben, weil er damit in seine Bilder zusätzliche Assoziationsebenen und  Deutungsspielräume bringen kann.

Ordnung kopfüber 
Diese Assoziationsebenen finden sich auch bei Mia Diener, hier oft noch mit Humor präsentiert. Ihre Themen sind Zahlen und Ordnungssysteme, die sie auseinandernimmt, neu zusammenbaut und damit unsere oft mehr als gläubig als verständig benutzten wissenschaftlichen Deutungsmethoden persifliert. Hat sie früher mit Landkarten oder Kalendern als Ausgangspunkte gearbeitet, rückt bei ihr heute der Mensch stärker ins Blickfeld. Denn auch der Mensch unterwirft sich Wert-Massstäben. Dieners bekanntes Video «Abrechnung» rechnet unter anderem mit der der Vorstellung ab, Arbeitskraft lasse sich nach Frequenz von Anschlägen auf einer Schreib- oder Rechenmaschine definieren. Während Wenger seine Themen zur Zeit ausschliesslich in Malerei diskutiert, fällt bei Diener das Spektrum der Medien und Materialien auf, über deren Verwendung sie spielerisch gebietet. Damit diskutiert sie Mechanismen, die gesellschaftliche Relevanz besitzen, wie Überwachung oder Datenverarbeitung. Neu kommt die Zeit als Gegenstand der Reflexion dazu. Die Zeit als Gehäuse und Momentum, das kippend ganze Ordnungen stürzen kann.

collectif_fact ist mit True, False and Sightley (sic!) better vertreten, einer raffinierten Videoarbeit, die unsere Manipulierbarkeit durch Bilder thematisiert.
Die Aussstellung dauert bis 9.12. Öffnungszeiten und Adresse s. oben unter dem Link zur Gallerie

Verschleierte Mannsbilder

Susan Schoch Reise Mixed Media Tüll und STickerei Mixed Media

Zwischen Nil und Töss

Die in der Galerie am Eulachpark gezeigten Arbeiten unter dem Titel „Zwischen Nil und Töss“ spiegeln einerseits die Auseinandersetzung der Künstlerin Susan Schoch mit Eindrücken, die sie auf verschiedenen Reisen nach Ägypten gesammelt hat, andererseits sind die Werke Ausdruck eines zähen Ringens um die Frage nach der kulturellen Zugehörigkeit und nach der eigenen Identität. Eine humorvolle und kluge Abrechnung mit Mannsbildern. Am Freitag 13. März war Vernissage.

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Voller Spieltrieb voraus

Andreas Greiner und Armin Keplinger, Loop Andreas Greiner und Armin Keplinger, Detonationskörper André Bless, Drip André Bless, Drip Jürgen Baumann, Auspizium Rando Moricca, Demon-Cleaner Rando Moricca, Plotti

Begriffsschärfe? Wozu auch – Die Ausstellung unter dem Titel Measuring the Floor – cutting of(f) the surplus präsentiert vier zeitgenössische Positionen so genannter kinetischer Kunst. Voller Spieltrieb voraus weiterlesen

Kunst kommt von Geschichte

Tauschwestern Rosina Kuhn Pavel Schmidt Pavel Schmidt Michael Wyss Martin Schwarz Ludwig Stocker Ludwig Stocker

Zu viele Ausstellungen zelebrieren heute irgendein Genie oder eine „Position“. Und zu wenige öffnen die Augen für grössere Zusammenhänge. Die Ausstellung unter dem Titel „Vom Nutzen und Nachtheil der Kunstgeschichte für die Kunst“ in den Kunsträumen Oxyd in will uns ebendiese Zusammenhänge als „Unzeitgemässe Betrachtungen“ vermitteln. Die Schau hat auch einen kritischen Anspruch – Beschäftigung mit der Geschichte könnte der heutigen Schnelllebigkeit, Innovationssüchtigkeit und oberflächlich-kommerzialisierten Kunstbetrachtung entgegenwirken. Historisierende Kunst als Weg zum Heil für eine verrottende, kapitalistische Gesellschaft. Ästhetik als Kapitalismuskritik und moralische Erleuchtung. Kunst kommt von Geschichte weiterlesen

Die grosse Regionale

Karin Birkenmeier Lydia Willhelm Lydia Willhelm Esther Mathis Hallen-Abteil Kunstwerke von Matthis und Birkenmeier Die Grosse Regionale im Kunst(zeug)haus Sandra Kühne Karin Kurzmeyer Karin Birkenmeier 7 Crosspoint Bianco Graf Jürg Matthys

„Die Grosse Regionale in Rapperswil“, Kunstzeughaus
Die neue Lust auf Provinz
Tot oder teuer muss einer sein, sonst gilt er oder sie in der Kunst als „provinziell“. Dass quicklebendige Kunstschaffende ohne mega-metropolitane Atelierstandorte (und entsprechende Preise) einen so richtig begeistern können, das zeigt zum einen die aktuelle Dezemberausstellung im Kunstmuseum Winterthur, sowie die „Grosse Regionale“ im Kunst(Zeug)haus in Rapperswil. Clever hier vom Kurator Lorenz Wiederkehr um die Stadt Zürich und Winterthur erweiterte Regionalbegriff. So konnte einer aus dem Vollen schöpfen– und die Besten der Besten aus Samstagern, Weesen, Rapperswil, oder Wildberg ZH den Zürchern, Luzernern oder Baslern oder den Berlinern mit Schweizer Wurzeln entgegenstellen. Ist eine Regionale keine Pflichtübung wie so häufig in vielen Museen (aber immer seltener!), wird sie zu einem Schauplatz für Kreativität abseits ausgetretener Hypes. Viel Risikobereitschaft ist zu sehen, selbst von einer 89-jährigen Teilnehmerin! Die grosse Regionale weiterlesen