Archiv der Kategorie: Kultur

Kultur

Im Dickicht der Leidenschaft

Gastbeitrag von Sylvia Oehninger, Winterthur

Euphoria by Lily King cover

Die Amerkikanerin Lily King entführt uns mit ihrem Roman „Euphoria“ nach Neuguinea. Dort untersuchen in den 30er Jahren drei junge Forscher, ein Ehepaar und ein einzelner Mann, Stämme von Eingeborenen am Fluss Sepik.

Für die Frau „Nell“ dient die berühmte Ethnologin Margarete Mead als Vorbild, ansonsten ist die Geschichte Fiktion.

Das Werk, packend geschrieben, kann einfach als Abenteuergeschichte gelesen werden. Wer in tiefere Schichten vordringt, findet sich mitten in heute noch akutellen Auseinandersetzungen:

Da ist einmal das Gender-Thema: Nell und ihr Ehemann brechen zu einem gemeinsamen Forschungsprojekt auf. Die Abmachung lautet: Sie erforscht das Leben der Frauen und Kinder, er bearbeitet die Männerbereiche, zu denen Frauen keinen Zutritt haben. Gemeinsam will das Paar die Ergebnisse zusammengetragen und publizieren. Im Dickicht der Leidenschaft weiterlesen

Lülü – der Merlin-Versteher

lulu

Ein Schelmenroman

Welcher Teufel den Publizisten Willi Wottreng geritten hat, dass er für sein Romandébut „Lülü“  ausgerechnet das Tösstal als Tatort wählt, wissen mangels Geiern vielleicht die Auerhähne oder Gämsen, die sich da hinten  zwischen Tössstock und Schauenberg gute Nacht sagen. Aber lustige Geschichten gibt es auch in der Provinz. Und die ist irgendwo um die Ecke zwischen Turbenthal, Kollbrunn und Rikon.

Dass die Tösstaler zuweilen schlimme Finger sind und die eine oder andere Leiche im Keller haben, hat jüngst das  Autorenduo Roswitha und Jacques Kuhn – er der einstige Chef der Pfanni in Rikon – in seinen Regiokrimis schonungslos enthüllt. Doch wer vom Sachbuchautor und Wottreng einen solchen Regionalthriller erwartet hat, liegt falsch. Zwar hat das Tal als Bio- und Soziotop unwiderstehlichen Thrill-Appeal. Täuferhöhlen, dunkle Wälder, moderige Gewässer und schattige Hügel, Stündeler, Prediger, Weber, Spinner, Baulöwen und Dörfler, die sich schon über Thurgauer xenophob echauffieren können. Das Chelleland ist auch eine Geisterbahn. Aber das Setting des Romans geht über Lokalkolorit hinaus. Lülü – der Merlin-Versteher weiterlesen