Linien und Geschichten

buchcover

Monika Krucker  (*1965, Luzern) ist eine stille Schafferin. Jetzt meldet sie sich mit einem Buch zu Wort, in dem sie ihre Liniengeschichten erzählt. Ein schöner Höhepunkt einer Laufbahn.

Monika Krucker bezeichnet sich als Zeichnerin – buchstäblich in erster Linie. Sie ist Künstlerin, aber auch wissenschaftliche Zeichnerin für die Kantonsarchäologie Schaffhausen.

Wissenschaftliche Illustration von archäologischen Ausgrabungen ist eine anspruchsvolle Arbeit, die viel Vorstellungsvermögen verlangt. Was von Archäologen ans Tageslicht befördert wird, ist fragmentarisch. Scherben, Knochen, Steinfragmente. Wie hingen die einst zusammen? Wie genau sind Beigaben in ein Grab gelegt worden? Wie genau sah ein Gebäude aus?

Die Zusammenhänge entstehen oft erst durch die Arbeit einer Illustratorin. Zieht die Linien von isoliert aufgefundenen Fragmenten zu anderen Funden und entwirft so ein Bild des vergngenen Lebens. Für die Wissenschaft sind solche Illustrationen und Visualisierungen Denkmodelle. Wissenschaft und Illustration verbinden immer Fakten und Imagination. Und genau hier fliessen wissenschaftliche und künstlerische Arbeit ineinander über.

In ihren Liniengeschichten erkennt man Flächen, Schatten und weit gespannte zeichnerische Bögen, die mit Kohlestift aufgebracht wurden. Die Linien überziehen zuweilen Flächen in Aquarellfarben oder werden von diesen überlagert. Linien und Flächen verbinden oft einzelne Tafeln zu einer Serie.

Unversehens betätigt man sich als Betrachter selbst als Archäologe. Man arbeitet sich  – betrachtend – durch Linien und Flächen auf den Grund. Man sucht die Zusammenhänge. Man fragt sich, wie die eine und die andere Bildtafel zusammenhängt. Was sie zusammenhält. Mit den Fragen taucht man in den Arbeits- und Denkprozess von Monika Krucker ein. Und man kann versuchen, ihn nachzuvollziehen.

Für Bibliophile ist der schmale Band ein Leckerbissen. Die Drucke sind von ausgezeichneter Qualität, man fühlt fast den Kohlestift und den rauen, mit Kalk grundierten Malgrund. Das Buch umfasst 4 Jahre intensiver Arbeit. Diese ist von den Kunsthistorikerinnen Marion Strunk, der Psychologin Anita Bäumli und der Kunst-Dozentin Ines Bauer einfühlsam kommentiert worden.

Ein Augenschmaus – und wunderschönes Weihnachtsgeschenk. Das Buch unter dem Titel «Liniengeschichten – Monika Krucker 2010 – 2014» ist bei der Künstlerin  monikakrucker.ch für 42 plus Porto erhältlich. Der Bericht über die Buchvernissage auf: http://www.zuonline.ch/buelach/Zeichnen-ist-ihr-Beruf-und-eine-Berufung-/story/20049225

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