Voller Spieltrieb voraus

Andreas Greiner und Armin Keplinger, Loop Andreas Greiner und Armin Keplinger, Detonationskörper André Bless, Drip André Bless, Drip Jürgen Baumann, Auspizium Rando Moricca, Demon-Cleaner Rando Moricca, Plotti

Begriffsschärfe? Wozu auch – Die Ausstellung unter dem Titel Measuring the Floor – cutting of(f) the surplus präsentiert vier zeitgenössische Positionen so genannter kinetischer Kunst. Die intellektuelle Präzision, mit der hier gearbeitet wird, zeigt sich bereits am Titel der Ausstellung. Der kursiert einmal als „cutting of“ und ein ander mal als „cutting off“. Präzision? Wozu auch. Es geht um Kunst. Und damit um etwas enorm ernst zu nehmendes, werden wir vom Kuratorium doch belehrt, dass die kinetische Kunst als künstlerische Ausdrucksweise auf realen Erfahrungen aus der Wissenschaft beruht. Darauf haben wir als Betrachter gewartet, endlich können wir – hoffentlich – die Kunst verstehen, sofern wir unsern Grips ein wenig in Bewegung setzen. Und kinetisch hat mit Bewegung zu tun. Rando Moricca, André Bless, Jürgen Baumann und das Andreas Greiner & Armin Keplinger zeigen denn auch Arbeiten, in denen sich „etwas bewegt“. Das ist natürlich total wissenschaftlich, denn die Kunstwerke basieren, so das Kuratorium, auf dem neuesten Stand der Technik. So begegnet man denn viel Elektrokabeln, einer Leiter, einem fernbedienten Miniatur-Rennauto und einem Beamer. Aber Schluss der kleinlichen Betrachtungsweisen, denn genau diese sollen ja hinterfragt werden. So lässt Moricca sein Miniatur-Rennauto von Besuchern über ein Blatt Papier fräsen. Weil vorn am Spielzeug ein Stift befestigt wurde, entstehen auf dem Papier lustige Linien. Experiment und Zufall als Grundkonstanten des schöpferischen Prozesses sollen hier veranschaulicht werden. Wer was von Wissenschaft versteht, weiss, dass solche Experimente nicht mal zufällig zu Resultaten führen. Vollends wissenschaftlich wird’s dann laut Kuratorium bei Jügen Baumann: er „interessiert sich für die Vorbedeutungen und Aussichten von zeitlich gekoppelten Bewegungsphänomenen und deren Wechselspiel mit systeminhärenten Attraktoren“. Seine Kugel mit kleinen rotierenden Ventilatoren, die alle einer Spannungsschwankung unterliegen, bewegt sich unvorhersehbar im Raum hin und her. Bewegen tut sich irgendwie alles. Und irgendwie passt so alles unter den Hut kinetische Kunst. Begriffschärfe würde Bewegung des Intellekts voraussetzen. Manchmal fragt man sich, ob Kunst solche Kuratoren verdient hat. Nein, sagt mach sich und verwandelt sich in ein kinetisches Objekt Richtung Ausgang der Ausstellung.

Raiffeisen Kunstforum beim Bahnhof Winterthur.  bis 9. April.

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